Der Laufhund und seine Bedeutung
Laufhunde nehmen unter den Jagdhunden eine Sonderstellung ein. Ihre Fähigkeit, Wild über lange Distanzen spurlaut zu verfolgen, ist seit Jahrtausenden unverfälscht erhalten geblieben und bis heute das Zuchtziel. Nehmen wir zum Beispiel den Blauen Gascogner, den Italienischen Segugio oder den Berner Laufhund. Sie haben das gleiche Gemüt, die gleiche Erscheinung und den gleichen Jagdverstand, weil sie die gleiche Geschichte teilen, nämlich die Geschichte Frankreichs.
Aus historischer Sicht ist es deshalb falsch, zwischen Laufhunden und Bracken keinen Unterschied zu machen.
Die vielfältigen Veranlagungen der Bracken verweisen auf eine gewisse Vermischung. Es sei noch ein Kommentar zum Wort „Keltenbracke” gestattet: Obwohl dieser Begriff in der Fachliteratur oft verwendet wird, ergibt er bei näherer Betrachtung keinen Sinn. Er beschreibt die antiken Jagdhunde der Kelten mit einem im Mittelalter entstandenen Wort germanischen Ursprungs. Die Etymologie vermutet den Ursprung des Wortes „Bracke” im althochdeutschen Verb „brähen” (riechen). Ebenso war „Bracco” die Bezeichnung für ein junges Raubtier. „Brack” war im Althochdeutschen aber auch ein Allerweltswort für „Ausschussware” – somit könnten auch Hunde gemeint gewesen sein, die von den damaligen Zuchten aussortiert wurden. Dafür würden die allgemein niedrigeren Läufe der Bracken sprechen, die beim berittenen Adel unerwünscht waren.
Wie dem auch sei: Der Fortbestand des Laufhundes ist nur garantiert, wenn nach althergebrachten Mustern weitergezüchtet und gejagt wird. Sein Verschwinden wäre mehr als nur der Niedergang einer Kultur. Es wäre der Verlust einer Schirmart. In ihm liegt der Ursprung vieler Fähigkeiten anderer Rassen, die uns im Alltag begleiten, helfen und retten.
Text: Simon Walti